1948 – 1961

Der Jungpfadfindertrupp in St. Marien

Im Herbst 1948 wurden die ersten Jungpfadfindersippen in St. Marien aufgebaut. Die Sippenführer waren Bernd Reher und Helmut Pohlmann. 1952 übernahm Dieter Trautmann den Jungtrupp. Die Gruppe wuchs bald auf 25 Jungen an. Es wurden 3 starke Sippen gebildet, die Möwen, die Adler und die Tiger.

Eine Jugendgruppe braucht ein Jugendheim. So gingen die Jungen mit Hilfe der älteren Pfadfinder daran, den alten Kirchturm der zerbombten St. Marienkirche auszubauen. Die Einrichtungsgegenstände wurden organisiert.

In dieser neuen Umgebung bereitete den Jungen das Basteln besondere Freude. Ein ganzes Kasperletheater mit voller Puppenbesetzung stellten sie her. Inzwischen haben die Puppen eine weite Reise gemacht. Jenseits des Ozeans in Brasilien erfreuen die drolligen Figuren noch manches Kinderherz.

Auch damals schon waren die größeren und kleineren Fahrten die Höhepunkte des Pfadfinderlebens. Eine der erlebnisreichsten Fahrten war das Lager im Sommer 1952 am Zwischenahner Meer. Im Lager haben die Jungen immer Hunger. Jungpfadfinder essen gern Pudding. Der heiße Pudding sollte im Wasser abkühlen. Doch der Topf mit dem Pudding plumpste ins Wasser und blieb verschwunden. Doch die Jungen wussten sich zu helfen, Badehosen her und tauchen! Am Grunde des Meeres fanden sie den Hordentopf. Es war leider nur noch wenig Pudding drin mit Meerwasser vermischt. Das Wasser wurde abgegossen und der gut abgekühlte Pudding mit Genuss verzehrt.

Unter Dieters Führung waren die Jungpfadfinder zu Pfadfindern herangewachsen. Trotz der große Anforderungen, die die Schule an ihn stellte (er stand vor dem Abitur), behielt Dieter seine Jungen auch als Pfadfindertrupp weiter. Den neuen Jungtrupp übernahm Horst Hartmann, der schon in Dieters Gruppe Kornett gewesen war.

Die Jungen waren auch immer zu lustigen Streichen aufgelegt. Horst erzählte folgende Begebenheit:
Vikar Leusder war ein Kurat wie ihn sich jeder Jungpfadfinder wünscht. Er machte alles mit. Die Aschtonnen. neben dem Glockenturm der Kirche waren gerade geleert. Das hatten die Jungen gesehen. Am anderen Morgen vermisste der Kurat die Tonnen an ihrem gewohnten Platz. Nachdem er sie eine ganze Weile gesucht hatte, entdeckte er sie oben im Birnbaum schaukelnd in luftiger Höhe.

Die Füchse

Nach einem erlebnisreichem Jahr verließ leider auch Horst die Jungpfadfinder. Aus beruflichen Gründen musste er die Führung des Trupps niederlegen.
So übernahm zuerst Norbert Brüchle den Trupp für den Übergang und gab ihn 1956 an Franz Dittrich weiter. Als Kornett standen ihm Eckart Engel von den Möwen und Peter Rüstige von den Adlern zur Seite. Wegen der großen Auswahl von Neulingen wurde eine dritte Sippe nötig. Sie bekam den Namen Fuchs. Der Kornett der Füchse war Hubert Sauer. Der größte Teil der Jungen, die unter Franz Dittrich in die D.P.S.G. eingetreten wahren, sind bis heute der Pfadfinderschaft treu geblieben.

Sippenecken

Franz Dittrich machte sich jetzt mit seinen Jungen daran den Pfadfinderraum im alten Turm weiter zu verschönern. Er veranstaltete einen Sippenwettstreit um die Ausgestaltung der Sippenecken. Die Jungen gingen eifrig an die Arbeit. Als der Wettstreit beendet war, war aus dem kahlen Turmgemäuer ein bunter und lustiger Raum geworden. An den Wänden hingen Bilder, Knotentafeln, Karten und Wimpel. Die Siegersippe erhielt als Preis einen Totem.
Am Georgstag 1957 legten Franzs Jungpfadfinder ihr Versprechen ab. Ende des Jahres 1957 übergab Franz den Trupp an Dieter Ehbrecht. Dieter war einer der ersten gewesen, die bei der Gründung des Jungtrupps von der Jungschar zu den Pfadfindern übergewechselt waren.

Wer kriegt den Speer

Wie Franz Dittrich, so hatte auch Dieter Ehbrecht einen Sippenwettstreit begonnen. Aber der wurde nicht drinnen, sondern draußen begonnen. Dieses mal ging es um Aufgabenfahrten nach Sillenstede und Sengwarden. Dadurch sollten die Jungpfadfinder zu selbstständigem Denken und Handeln angeregt werden. Sie lernten mit dem Kompass umzugehen, Karten zu zeichnen, Berichte zu schreiben und geeignete Lagerstellen ausfindig zu machen. Eine besonders reizvolle Aufgabe war es, die alte romanische Kirche in Sillenstede anzusehen und alles Bemerkenswerte in einem Buch sauber aufzuzeichnen. Als Preis winkte der Siegersippe ein nagelneuer Wimpelspeer.
Mit einem knappen Punktvorsprung hatte sich die Sippe Fuchs den Preis, der ihnen im Barkler Busch überreicht wurde, geholt.

Die neue Kluft – Winterarbeit

Das Bundesthing hatte beschlossen eine neue Kluft einzuführen. Zum letzten Male kam das traditionelle grüne Hemd bei dem Versprechen der Geier im Jugendheim St. Willehad zu Ehren. Mit der Kluft trat auch Dieter Ehbrecht ab. Er ging im Herbst 1958 zur Bundeswehr.

Heinz Langner übernahm für das Winterhalbjahr den Trupp. Da er 1957 am Jubiläumsjamboree in England teilgenommen hatte, verstand er es besonders gut die Heimabende zu gestalten. Er erzählte begeistert von seinen Erlebnissen mit Pfadfindern aus aller Welt. Viele interessante Aufnahmen hatte er gemacht. Alle möglichen neuen Heim und Tummelspiele, die Heinz vom Jamboree mitgebracht hatte, wurden durchprobiert. Aus beruflichen Gründen verließ er im Frühjahr Wilhelmshaven und zog nach Kiel. Dort übernahm er gleich einen neuen Trupp.
Franz Dittrich erklärte sich bereit, den verwaisten Trupp weiterzuführen. Wie in der ersten „Turmzeit“, kam das Tischtennisspielen wieder zu Ehren. Das große Stadtspiel unter Franzs Leitung fand gleichfalls große Begeisterung.
Im Herbst 1959 verließ auch Franz Dittrich den Trupp, um sich besser auf sein Abitur vorbereiten zu können. Es war kein Nachfolger da. Wie immer in Krisenzeiten, so war Norbert Brüchle auch diesmal helfend zur Stelle. Mit Basteln und singen rettete er den Trupp über den Winter. Dann übernahm Gerd Vellage. der bis dahin Trupphelfer war, die Führung.

Im neuen Heim

Inzwischen war der Jungtrupp in das neue Jugendheim am Krähenbusch umgezogen. Die Pfadfinder bekamen dort Ihren eigenen Raum. Der Jungtrupp bestand nun aus 4 Sippen: aus den Möven, den Tigern, den Adlern und den Panthern. Der ganze Trupp kam nun jede Woche im Heim zusammen. Dort entfaltete sich unter Gerds Leitung eine vielseitige Tätigkeit. Zunächst musste der bevorstehende Elternabend vorbereitet werden. Mit viel Geschick fertigten die Sippen ein Lagertelefon und eine Sendestation unterm Turm in der Ansgaristraße. Ein Glanzstück wurde die naturgetreu nachgebildete Indianersiedlung.

Der Elternabend mit der Ausstellung wurde ein voller Erfolg. Die Jungen waren nun dem Jungpfadfinder entwachsen und wurden im Frühjahr 1961 fast alle in den Pfadfindertrupp übernommen. Mit Unterstützung von Herrn Vikar Brüning baute Hans Peter Kerlin im Herbst des selben Jahres einen Jungtrupp auf. Manfred Klöpper stand ihm dabei mit Fleiß und Eifer als Trupphelfer zur Seite.
Es sieht so aus, als ob aus diesem Jungtrupp einmal rechte Pfadfinder hervorgehen werden, denn die Jungen gehen mit Begeisterung und Freude an ihre Aufgaben heran. Wir möchten die Eltern bitten, uns weiterhin ihr Vertrauen zu schenken und uns hilfreich zu unterstützen.

Der Pfadfindertrupp in St. Marien

1948 wurde Egon Raschke der erste Truppführer des Pfadfinder – Trupps in St. Marien. Als er Stammesführer wurde. und somit der Truppführerposten frei war, wurde Franz Ehbrecht Truppführer.
Heute, in der Zeit der Luftmatratzen und Jugendherbergen kann man sich kaum vorstellen, wie die Fahrten damals aussahen. Nachts schliefen wir entweder in Wehrmachtszelten aus Dreieckszeltplanen oder beim Bauern im Stroh. Man wanderte auf kleinen „Pfaden“ durch das Land und kehrte trotz der geringen Entfernungen, die man zu Fuß bewältigen kann, mit neuen Eindrücken beladen zurück.

Auch der Kontakt mit den „freien Pfadfindern“ (BdP) war früher enger als heute. Es wurden von Zeit zu Zeit Wettkämpfe ausgefochten, bei denen die Georgspfadfinder immer gut abschnitten.

Unter Leitung des Gaufeldmeisters Norbert Brüchle wurde jedes Jahr eine Großfahrt unternommen. „Frau Norbert“ sorgte unterwegs für gute Küche und konnte lernbegierigen Pfadfindern manchen Tip beim Kochen auf offenem Feuer geben. Um häufige Pannen unterwegs zu vermeiden, mussten vorher alle Teilnehmer an einer Probefahrt teilnehmen, auf der Mann und Fahrrad eingehend geprüft wurden.

Bevor Walter Lieser Truppführer wurde, war es für kurze Zeit Gert Weinert. Während kurzer Übergangszeiten, in denen das Amt frei war, übernahm Norbert den Trupp.

1957 unternahm die Sippe „Löwe“ mit Wilfried Ehbrecht als Kornett eine dreiwöchige Fahrt in den Teuto, wobei sie ein Stück den Mittellandkanal hinuntertrampten. Die Sippe „Löwe“ wurde geteilt in „Berberlöwen“ und „Pumas“. Unter Leitung Walter Liesers wurde die Fahrt nach Trier unternommen. Danach entstand mit Fritz Böllner als Kornett die Sippe „Seeschwalbe“. Sippenwettkämpfe und unzählige Wochenendfahrten wurden unternommen. In diesem Jahre wurde auch der Name des aufgelösten Pfadfinderstammes St. Marien übernommen: die „Chauken“.

Im Herbst 1958 trat Walter Lieser von seinem Amt zurück:
Wilfried Ehbrecht übernahm den Trupp.
Am 22. Februar 1959 wurde der erste Elternabend am Baden Powells – Tag durchgeführt. Pfingsten war die Fahrt nach Bremerhaven, bei der wir den Rundfunksender ,,AFN“ besichtigten. In diesem Jahr wurde die Truppzeitung „Be Prepared“ gegründet; die Fahrt nach Nordenham und der Wettkampf mit den Nordenhamer Pfadfindern wurde unternommen. Im Jahre 1960 führten wir am Baden Powells – Tag wie im Vorjahr den Elternabend durch. Da Fitsche vor dem Mathe-Abitur stand, gab er seinen Trupp, den er zwei Jahre geführt hatte, an Norbert ab. In diesem Sommer nahmen die Pfadfinder am Zeltlager der Stadt in Wolfshagen/Harz teil.

Die Sippe „Löwe“ mit Rainer Gruhlke als Kornett nahm 1961 als erste Wilhelmshavener Pfadfindersippe am 3. Wettkampf um den Georgsschild teil. In der Landesausscheidung in Haltern erreichten wir den 2. Platz und somit die Fahrkarte nach Westernohe zur Bundesausscheidung, bei der wir den 14 Platz ergatterten. Auch in diesem Jahr nahmen die Pfadfinder und Jungpfadfinder am Zeltlager der Stadt teil, das dieses Mal am Salmer See bei Ratzeburg durchgeführt wurde.

Als die Sippe „Löwe“ aus Westernohe zurückkam, wurde der Trupp St. Marien geteilt: in St. Willehad wurde ein Pfadfinder- und ein Jungpfadfindertrupp gegründet. Die ,,Chauken“ wurden einige Zeit von Hans-Peter Kerlin und dann von Jochen Hermann geführt.